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Giovanni Segantini kommt Ende August 1894 nach Maloja und bezieht das leer stehende Chalet Kuoni. Kurz nach seiner Ankunft schreibt er in einem Brief: „...also, sie wollen etwas über mich, meine Familie und meine Berge wissen? Hier lebe ich, 1817 Meter über dem Meeresspiegel, bei 15 bis 30 Grad Kälte, in einem ganz aus Holz gefügten, bequemen, gut geheizten Häuschen, mit meiner Frau und drei Söhnen. Ich habe auch eine Tochter, die sich jetzt im Institut befindet. Der Ort, den ich bewohne, ist kein richtiges Dorf, da er in seiner ganzen, nicht geringen Ausdehnung bloss vier Familien beherbergt, die meinige mit inbegriffen....„ Segantini ist 1858 in Arco, als Österreicher geboren. Mit 8 Jahren war er Vollweise und lebte dann bei der Stiefschwester in Mailand. Diese gab seine österreichischen Papiere zurück, ohne die italienische Staatsbürgerschaft zu beantragen sodass Segantini bis zu seinem Tod staatenlos war. Von 1865 bis 1880 lebt er in Mailand, besucht die Kunstakademie Brera. Seine ersten Bilder erwecken in der Kunstwelt Aufsehen und Anerkennung. 1880 zieht er mit Bice Bugatti nach Pusiano. Das Städtchen liegt in der Brianza, einer hügeligen Landschaft zwischen Como und Lecco. 1886 übesiedelt die ganze Familie nach Savognin. Hier beginnt Segantini in seiner ganz persönlichen divisionistischen Malweise zu arbeiten. In die Landschaft bettet Segantini Mensch und Tier und bildet eine Einheit im Kommen und gehen der Jahreszeiten und dem Kreislauf von Tag und Nacht. Als Beispiel dafür stehen Bilder wie: Das Pflügen, das strickende Mädchen, windiger Tag, die Heuernte oder Rückkehr vom Wald. In seinen Maloja Bildern versucht Segantini das Wesen der Dinge zu erfassen, der Natur ihr geistiges Geheimnis zu entreissen. Er schreibt:"…ich habe begonnen die Gegend hier in Besitz zu nehmen, sie ist ein wahre Fundgrube für meine Kunst." Segantini arbeitet immer im Freien und die grossartige Landschaft fasziniert ihn so sehr, dass der Gedanke, ein riesiges Panorama , für die Weltausstellung 1900 in Paris entstehen zu lassen ihn nicht mehr loslässt. Er hatte errechnet, dass in sechs Monaten 5Mio 760tausend Besucher hier die ganze Schönheit des Engadins sehen und erleben würden. Leider konnte das Projekt aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden. Aus der Idee des Panorama entwickelte sich das heutige Triptychon, das man im Segantini Museum in St. Moritz bewundern kann. Schon 1894 lernt Segantini den jungen Maler Giovanni Giacometti kennen. Es entsteht eine tiefe Freundschaft und ein befruchtender künstlerischer Austausch. Das Bild "Die beiden Mütter" in Blaunca gemalt und Teil des heutigen Sentiero Segantini wurde von Giacometti fertiggestellt. Den Winter verbringt die Familie oft in Soglio, da es dort wesentlich wärmer ist als in Maloja. Die Landschaft in Soglio, die Berge der Scioragruppe hat Segantini in ganz wesentlichen Bildern wie dem „Werden" aus dem Triptychon wiedergegeben. Er nannte Soglio „la soglia del paradiso" (Die Schwelle zum Paradies) Seine eigenen Worte verdeutlichen am Besten, was er in der „Maloja Zeit“ durch seine Bilder vermitteln wollte. „Wird es mir gelingen, die ewige Bedeutung des Wesens der Dinge wiederzugeben? Werde ich der Natur, die ich male, jene Beleuchtung zu geben vermögen, die der Farbe Leben verleiht, die die Fernen mit Licht und Luft überhaucht und den Himmel unbegrenzt erscheinen lässt? Werde ich das vollkommene Urbild der Natur mit den Sinnbildern, die unsere Seele offenbart, vereinigen können?“ Am 16. September 1899 steigt Segantini auf den Schafberg um am Bild „Sein“ zu malen, doch am 28. stirbt er an einem akuten Blinddarm im Alter von 41 Jahren. Man trägt seinen Leichnam nach Maloja in die kleine weisse Kirche wo er aufgebahrt wird. Giovanni Gaicometti malt ein Bild des toten Freundes bevor er im Friedhof von Maloja seine letzte Ruhe findet. Die ausgewählten Textstellen aus den Briefen von Segantini sind dem Buch "Aus Schriften und Briefen" entnommen. Von Segantini sind über 1000 bekannt. Gerade durch seine Briefe und seine Gedanken über die Kunst lernt man den Menschen und Künstler besser kennen und sieht seine Bilder mit anderen Augen. ...."immer mehr versenke ich mich in die Kunst lebe von ihr und für sie und immer mehr fühle ich das Bedürfnis, mich nicht allein durch meine Werke zu erklären, sondern auch durch die Schrift, um die Bedeutung des Wortes Kunst zu bestimmen, wenigstens in dem Teil der mich angeht, der Malerei." |