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Der Graf de Renesse und die Jahrhundert - Wende

"Am 1. Juli 1884 öffnete das grösste und modernste Grand Hotel der Alpen in Maloja seine Pforten. Der Promotor des gewaltigen Unternehmens, der belgische Graf Camille de Renesse zeigt stolz der herbeiströmenden Crème de la crème aus Bürgertum und Adel sein Meisterwerk.... fünf Monate später war der Graf failliert."

Mit diesen Worten beginnt das lesenswerte Buch "Bis zum Tod der Gräfin" von Peter Boeckli.

Der Graf Camille Frèderic Maximilien de Renesse ist 1836 in Bruxelles geboren. Er ist der Prototyp des Pioniers aus der Gründerzeit, begeistert von den Möglichkeiten des damaligen "high tech" wie der Eisenbahn, der Ingenieurskunst und der neuen Finanzierungstechniken.1875 hält er sich im Engadin auf und ist von der grossartigen Schönheit der Gegend fasziniert. Der Tourismus steckt ganz in den Anfängen. Der Plan des Grafen ist es, viele Menschen ins Engadin zu locken, ihnen höchsten Komfort zu bieten und gleichzeitig grosse Kapitalströme in die Gegend zu bringen. Er möchte in Celerina ein grosses Hotel erbauen aber es wird abgelehnt. Der nächste Vorstoss ist in St. Moritz, In St. Moritz stand damals nur das Hotel Kulm. Der Graf wollte beim jetzigen Bobsleigh ein Hotel errichten, doch der Hotelier Badrutt wird sich gegen ihn dursetzen und ihm fortan alles andere als freundschaftlich gegenüberstehen. Unbeirrt versucht der Graf weiter, seine weitblickenden Pläne im Engadin zu realisieren. Das "Bündner Tagblatt" berichtet von einem grossen Schloss, das der Graf auf der Insel Chastè errichten möchte. Doch als er 1880 nach Maloja kommt, ist er von der wilden Schönheit so fasziniert, dass er beschliesst, hier seine kühnen Pläne zu realisieren. Er kauft über 140 Ha. Grund und Boden den er zwischen 0,30 und 1,00 Fr. bezahlt. Hier in Maloja soll das Monte Carlo der Alpen entstehen. Der Graf plant ein Spielkasino, will den St. Moritzern Konkurrenz machen indem er Maloja zu einem mondänen Kurort ausbauen will. Der Golfplatz wird realisiert, vor St. Moritz. Die Sommersaison dauert nur zwei Monate sodass der Graf plante, in Maloja eine Wintersaison zu realisieren. "Es soll hier der Reunionsplatz der hocharistokratischen, konservativen Welt entstehen."

Am 24. Mai 1882 wird mit dem Bau begonnen. Es entstehen 300 Zimmer für 450 Gäste, die damals mit ihren Domestiken anreisten. Diese logierten unter dem Dach.

Das Hotel war voll elektrifiziert. Dafür war extra ein Wasserkraftwerk gebaut worden, das von den Wassern des Inn gespeist wurde. Die Heizung bestand aus drei riesigen Lokomotiv Dampfkesseln, die das ganze Hotel heizten. Spektakulär war die Frischluftzufuhr in allen Zimmern durch Ozonatoren. Das Hotel wartete mit zwei Sensationen auf. Erstens die elektrische Beleuchtung und ein Aufzug.

Die italienischen Pläne, eine Eisenbahnlinie Chiavenna - Maloja zu errichten, begeisterten den Grafen. Den Bahnhof in Maloja sah der Graf dort entstehen, wo die jetzige Chiesa Bianca steht.

Die Bahn endete damals in Chur. London - Chur dauerte 30 Stunden und von Chur nach St. Moritz musste man noch einmal 12 Stunden rechnen. Aus finanziellen Gründen wurde die Strecke Chiavenna - Maloja nie realisiert.

Endlich also, am 1. Juli 1884 wird das Hotel eröffnet. Etwa 6000 Besucher kommen um das Hotel "Maloja Kursaal" zu bestaunen. Doch schon 3 Tage nach der feierlichen Eröffnung bricht in Italien eine Choleraepidemie aus. Die Grenzen werden vom 4. Juli bis 8. September 84 geschlossen. Die Gäste bleiben aus und die "Valse de Maloja" läutet nicht eine glänzende Zeit für Maloja ein, sondern das Hotel Kursaal de Maloja. Im Dezember 1884 erklärt der Graf seine Zahlungsunfähigkeit. Es gibt noch andere Gründe, die der Ära Renesse ein Ende bereiteten.

Die Todsursache der jungen Gräfin, am 20. September 1884 in einem Basler Hotel ist bis heute nicht geklärt. Um so spannender das Buch "Bis zum Tod der Gräfin." Hinweisen möchte ich auf ein weiteres, leider schwer zu bekommende Buch "Maloja entre cimes et lacs" von Georges Baggermann.

Doch was wäre wohl aus Maloja ohne den Grafen de Renesse geworden? Wie geht es weiter mit dem Palce Hotel in Maloja? www.malojapalace.com